Schulbericht 2006

Oktober 2006: Bücher und weiteres Unterrichtsmaterial für das Schulprojekt kommt in Grundschulen von Tiné an

Meike Meerpohl hat im Oktober 2006 wieder für das Schulprojekt des Darfur-Hilfe e.V. in Tiné und im Flüchtlingslager Am Nabak (Duguba) recherchiert und mit den Kräften vor Ort die Beschaffung und Verteilung von Schulmaterial organisiert. Hier ihr Bericht über Fortschritte und die Dankbarkeit der Schüler und Lehrer, aber auch über die schlechte Gesamtsituation im Grenzgebiet von Sudan und Tschad.

1174 Schüler. 24 Klassen. Vier Schulen. Innerhalb von zwei Stunden wurden mir die verschiedensten Lieder, Gedichte und Sprüche in Englisch und Arabisch vorgesungen. An die 200 Fotos sind gemacht worden. Nun bin ich etwas erledigt, aber auch beeindruckt, gerührt und erfüllt.

Worum geht es hier? Es geht um meinen letzten Besuch in Tiné, dem tschadischen Dorfteil des grenzüberschreitenden Dorfes an der sudanesischen Grenze und damit zu Darfur. Mittlerweile zählt der Ort an die 20.000 Einwohner, die Mehrzahl sind sudanesische Flüchtlinge aus Darfur. Sie leben nun schon seit drei Jahren hier. Und warten. Warten auf Frieden. Doch stattdessen gehen die Taten in Darfur weiter, Friedensabkommen nur auf dem Papier, während die Kriegsflugzeuge weiterhin über der Region kreisen und damit auch über Tiné. So war es zumindest bei meinem dreiwöchigen Aufenthalt in Tiné Ende Oktober 2006.

Was vor einigen Jahren noch Hoffnung und Zuversicht war, ist in Hoffnungslosigkeit, Depression und Warten übergegangen. Die Organisationen lassen Tiné an der Grenze liegen, Fahrten dorthin werden selbst im Tschad zu unsicher. Die Afrikanische Union hat ihre Basis auf der sudanesischen Seite, bleibt aber mittlerweile auch in ihrem Camp und erstrahlt als einzige Lichtquelle nachts die Region mit ihren starken Lichtern. Die Menschen in Tiné versuchen ihr Leben so gut wie es geht mit ihren Möglichkeiten aufrecht zu erhalten. Den Markt weiterhin zu unterhalten und Handel zu treiben, ihre Tiere zu weiden und ihre Familien zusammenzuhalten. Während Familienprobleme, die aufgrund des Darfur-Konfliktes zustande gekommen sind, gelöst werden müssen. Trauerfeiern und Kondolenzzeremonien liegen weiter über Hochzeiten oder Geburtenfeiern. Gerüchte von Rebellenangriffen gehen durch das Dorf, mittlerweile hat auch der Tschad seine eigenen Rebellen. Und darüber hinaus das ständig Angst erregende fast täglich kreisende Flugzeug der sudanesischen Regierung, dessen Funk zwischen Piloten und Bodenstation über Radio mitzuverfolgen ist. Eine absurde Atmosphäre, aber der Alltag geht weiter. Man hat sich daran gewöhnt oder versucht sein Leben weiter zuführen. Ja, der Konflikt ist noch nicht zu Ende und noch viel schlimmer, ein Ende ist vorerst auch nicht in Sicht.

 

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Hilfe für Schulprojekt angekommen

Mütter und Kinder aus Darfur im November 2005, vorne links M. Meerpohl. Auf dem Schild steht: „This School is supported by Darfur Help Foundation“ (Diese Schule wird vom Darfur-Hilfe e.V. unterstützt).

© Darfur-Hilfe e.V./Meike Meerpohl

Und mittendrin diese 1174 Schüler in 24 Klassen und vier Schulen verteilt. Und wenn man einen Moment die Hintergründe, warum sie eigentlich hier sind, vergisst, so steht man vor einer Klasse, die oft über 50 Kinder beherbergt und schaut in strahlende, erwartungsvolle Kinderaugen. Denn auch sie haben ihre Situation für Momente vergessen und schauen sich die Weiße an, die da mit einer Kamera vor ihnen steht und die den meisten bekannt ist und so auch mit Namen begrüßt wird. Die Weiße, die seit einiger Zeit für einige Monate im Jahr in ihrem Dorf wohnt und forscht, heute aber mit einer anderen Aufgabe zu ihnen gekommen ist.

Da erhebt sich auch schon der Chor von 50 Kindern, die mir Gedichte oder Lieder vortragen, meist in Arabisch, die älteren Klassen auch schon mal in Englisch. Mir steigen fast die Tränen in die Augen, so gerührt bin ich, so vor der Klasse stehend und in diese erwartungsvollen großen Kinderaugen schauend. Sie sprudeln von Lebenskraft und Energie, Charme, Scheu und Verspieltheit. Sie sitzen in ihrem Klassenraum, der aus Strohmatten gebaut wurde, auf dem Boden, mittlerweile wenigstens auf Matten und nicht mehr im Dreck, wie noch vor einem Jahr. Viele der Sonnenschutzdächer und als Klassenräume dienenden Örtlichkeiten sind zu eng für die vielen Schüler. Aber die Kinder, die eine Möglichkeit haben, eine Schulbildung wahrzunehmen, kommen hier her und werden unterrichtet. Und ich muss wirklich feststellen, die Situation hat sich Dank des Darfur-Hilfe-Vereins deutlich verbessert. Mittlerweile sind fast ausreichend Bücher vorhanden, im Gegensatz zu fast keinem einzigen vor zwei Jahren, fast alle Kinder sitzen mittlerweile auf Matten und nicht mehr im Dreck, die Klassenräume sind ausgebessert und vergrößert, die Lehrer haben Lehrmaterialen wie Zirkel, Kreide, Tafeln, Hefte und Stifte. Das ist schön zu sehen. Wenn es natürlich auch noch an vielem fehlt. Umso mehr wurden die Spendengelder dankbar entgegen genommen, die ich hierher gebracht habe

Dankeschön der Lehrer und Schüler

Und hiermit möchte ich das Dankeschön der Lehrer und Schüler an euch alle übermitteln, für eure Unterstützung, euer Engagement und eure Zeit, die ihr aufbringt und aufgebracht habt und die Menschen Darfurs nicht vergesst. Und natürlich auch ein riesiges Dankeschön an alle Spender, die mit ihren Spenden 1174 Schülern eine Schulbildung ermöglichen. Die Unterstützung kommt an und verzeichnet Erfolge. So konnte noch eine weitere Schule in Tiné in die Unterstützung miteinbezogen werden, die etwas außerhalb von Tiné liegt und in der 75 % der Kinder aus dem Sudan kommen und dort unterrichtet werden.

In der Schule „Tiné 1“ danken die Lehrer

  • Hussein Hashim Obe
  • Salim Abdel Gadir
  • Muhammed- Ahmed Sandal
  • Adam Abdel Gadir
  • Sherif Abdelshafi
  • Bukhit Abakr Saleh
  • Aziza Abdallah Tom
  • Howa Muhammed Tager
  • Muhazin Hussein Hashim

Für die Schule “Tiné 2”

  • Muhammed Saleh Omar
  • Ahmed Ibrahim Brabo
  • Bukhit Hashim Targoni
  • Nureen Beshir Ahmed
  • Adam Hussein Targoni
  • Asmahan Ibrahim Muhammedeen
  • Bukhit Hassan Makin
  • Subaida Mahmud Adam
  • Sherif Ibrahim Fadl

Für die Schule “Tiné 3”

  • Idriss Yusuf Abakr
  • Mekka Bahredin Idriss

Für die Schule „Tiné- Mabkruka“

  • Ali Abdallah Hassan
  • Muhammed Ali Imam
  • Ali Abdelrahman Ibo
  • Ahmed Hussein Ube
  • Muhammed Ismail
  • Adam Abdallah Shoggar

Und mit den Lehrern sind 1174 Schüler für die Unterstützung des Darfur-Hilfe-Vereins dankbar und wenn sie es nicht täglich aussprechen würden, so ist ihnen doch eine Schulbildung möglich und sie werden es in einigen Jahren zu schätzen wissen.

Das sagen zumindest ihre Augen, in die ich hinein blicke, wenn ich da vor der Klasse stehe und ihren Liedern und Gedichten zuhöre, einige Fotos mache und dann zur nächsten Klasse gehe. Bis alle 24 Klassen geschafft sind. In der Hoffung, dass sie ihre Energie und Lebensfreude auch in den nächsten Jahren behalten und die dramatischen Erfahrungen verarbeiten. In den anschließenden Sitzungen überlege ich gemeinsam mit den Lehrern, wie die Klassen und Schulen mit den Spendengeldern, die ich überbracht habe, umgehen und für was investiert werden soll. Nach zwei Tagen, bei einem erneuten Besuch, werden mir die Investitionen durch die Schulen genau vorgeführt und quittiert.

Anschaffungen: Bücher, Tafeln, …

Es wurden weitere Bücher, Matten, Hefte, Stifte, Kreide, Stühle, Bänke, Strohmatten, Zirkel, Tafeln und Unterrichtsmaterial gekauft. Damit ist ein weiterer Fortschritt erreicht. Einige Klassen werden vergrößert werden, die letzten Klassen haben eine ordentliche Sitzunterlage bekommen, die ersten Bänke haben Einzug in die Klassen, weitere Bücher werden verteilt, ebenso wie Helfe und Stifte und ausreichend Kreide für die nächsten Monate.

So richten nicht nur die Lehrerinnen und Lehrer in verschiedenen Briefen ihr „alf shukran“ an den Darfur–Hilfe-Verein und seine Unterstützer, sondern auch der Vize-Sultan Tinés, Hussein Bichara.

Meike Meerpohl