Sudan ordnet Einstellung der Arbeit des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK) an

Sudan gefährdet humanitäre Versorgung von mehr als einer Million Not leidenden Menschen
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat der Regierung des Sudan vorgeworfen, mit dem Verbot der Arbeit des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK) das Leben von mehr als einer Million hungernden Zivilisten zu gefährden. „Es ist es unverantwortlich, einer der bedeutendsten Hilfsorganisationen die Arbeitserlaubnis zu entziehen. Das IKRK sorgt mit 700 Helfern für die humanitäre Versorgung von mehr als einer der insgesamt 6,1 Millionen Not leidenden Menschen im Sudan“, erklärte der GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius am Sonntag in Göttingen. „Sudans Behörden spielen mit dem Leben von hunderttausenden Bürgerkriegsopfern. Wer Hilfsorganisationen den freien Zugang zur Not leidenden Zivilbevölkerung verweigert, verstößt gegen humanitäres Völkerrecht und macht sich Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig.“

Das IKRK hatte am 1. Februar seine Arbeit im Sudan einstellen müssen, nachdem die staatliche sudanesische „Kommission für Humanitäre Hilfe (HAC)“ am letzten Mittwoch dies schriftlich angeordnete. Als Gründe wurden von den Behörden ungelöste „technische Fragen“ angegeben. Beobachter gehen davon aus, dass das Arbeitsverbot erlassen wurde, weil sich Khartum mit seinen Forderungen nach einer strengeren Kontrolle und Einschränkung der Arbeit des IKRK bislang nicht durchsetzen konnte.

Das IKRK arbeitet seit 1978 im Sudan. In den Bürgerkriegsregionen Darfur, Süd-Kordofan und Blauer Nil ist seine humanitäre Hilfe von größter Bedeutung. Vor allem in dem noch immer umkämpften Westen des Sudan hat das IKRK mit Nahrungsmittelhilfe, Impfkampagnen und medizinischer Unterstützung einen entscheidenden Beitrag zur Linderung der Not der Zivilbevölkerung geleistet. Auch vermittelte das in Genf ansässige Hilfswerk regelmäßig Gefangenenaustausche zwischen den bewaffneten Konfliktparteien. Allein in Darfur sind momentan 3,5 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. „Das IKRK wird in Darfur mehr denn je zuvor gebraucht“, erklärte Delius. Denn im Jahr 2013 mussten dort erneut 380.000 Menschen aufgrund von Kämpfen aus ihren Dörfern und Städten fliehen. Zu rund 100.000 Menschen im Jebel Marra-Bergmassiv haben Helfer keinen Zugang. Diese Region wird mehrmals in der Woche von sudanesischer Luftwaffe bombardiert.

Die sudanesischen Behörden hatten im Jahr 2009 mit der Ausweisung von 13 internationalen Hilfsorganisationen aus Darfur massiv die humanitäre Versorgung der Zivilbevölkerung erschwert. Vollmundige Versprechen, sudanesische Hilfsorganisationen würden zukünftig die Hungernden versorgen, wurden nicht eingehalten. Die in Darfur verbliebenen internationalen Helfer konnten damals nur mit großen Anstrengungen ein Massensterben verhindern.

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